Historisches Fechten

Wir sind einer der wenigen Vereine Österreichs, die den Sport "Historisches Fechten" ausüben. Dabei darf man nicht das moderne Sportfechtern vor  Augen haben, mit unter Strom gesetzten Floretts & Co., sondern eine Art des Fechtens, die bereits weit früher ausgeübt wurde als das moderne Sportfechten.

Auf diese Art zu Fechten ist uns deswegen möglich, da Meister aus dem Mittelalter und der Renaissance ihre Fechttechniken die sie entwickelt haben aufgeschrieben und so der Nachwelt überlassen haben. Immer mehr Vereine machen es sich zur Aufgabe, diese Fechtbücher und damit die darin enthaltenen Techniken zu rekonstruieren.

 

Darstellung aus dem I.33-Fechtbuch - Priester vs. Lehrling

 

 

 

Der Anfang - I.33

 

Das älteste uns erhaltene Fechtbuch nennt sich I.33 (1.33, auch "Tower of London Manuscript"). Dabei handelt es sich um ein deutsches Werk, in dem ein Priester und ein Lehrling bzw. am Ende auch eine Frau mit dem Schwert (einhändig) und dem Buckler (Faustschild) Spiele durchführen. Wie bereits erwähnt, finden hier Wettkämpfe statt, nicht Kämpfe auf Leben und Tod. Datiert wird dieses Manuskript auf ca. 1300 n. Chr. Die Abbildungen in diesem Manuskript wirkten vermutlich sehr inspirierend, denn in vielen weiteren Manuskripten finden sich solche Abbildungen wieder (z.B. im MS.0032, 0091v. in der Sondersammlung Graz)


Gerichtlicher Zweikampf nach Hans Talhoffer

 

Meister Johannes Liechtenauer

 

Ein wichtiger Vertreter des historischen Fechtens ist Johannes Liechtenauer. Leider ist keins seiner Bücher erhalten blieben, doch viele spätere Meister haben seine Techniken aufgegriffen, erweitert, verfeinert und gänzlich Neue hinzugefügt. Einige dieser nachfolgenden Meister sind Hans Talhoffer, Hans von Speyer, Paulus Kal, Paulus Hector Mair, Hans Czynner, Albrecht Dürer...

Bei vielen Manuskripten werden Techniken verschiedener Waffengattungen gezeigt, nicht nur mehr einer einzigen. Weiters soll erwähnt werden, dass es verschiedene Schulen gab - wie zum Beispiel die deutsche Schule, nach der wir uns richten.


Da der Sieger nur durch Gott gewinnen konnte, muss er noch schnell danke sagen...

 

 

Wer hat dieses historische Fechten trainiert?

 

Damals galt das "Gottesurteil" bzw. der "gerichtliche Zweikampf" als gültiges Rechtsurteil. Das heißt, dass der Kläger und der Geklagte in einem Kampf auf Leben und Tod herausfanden wer Recht behielt. Die religiöse Einstellung ließ alleinig zu, dass die Menschen glaubten, dass der Gewinner nur durch Gott überleben konnte. Es gab allerdings auch die Möglichkeit bezahlte Kämpfer für einen selbst in den Ring steigen zu lassen. Genau diese Kämpfer übten sich im historischen Fechten.


Fechten im Verein

 

Unser Verein zeigt den Umgang mit verschiedenen Waffen. Auch mit jenen, die zu unserer Zeit gerade erst im Entstehen sind (Langes Schwert, z.B.) bzw. auch spätere Waffen, die nicht direkt zu unseren Darstellungen passen (Langes Messer, z.B.). Wir versuchen diese historischen Fechttechniken in unseren Auftritten und Schaukämpfen einfließen zu lassen. Sollten Sie also eine Vorstellung von uns sehen in der auch gekämpft wird, handelt es sich dabei um genau rekonstruierte Techniken und nicht um Hirngespinste unsererseits.

 

Für die Qualitätssicherung ist Andreas Moitzi zuständig, der auch stellvertretender Trainer des Fechtvereins "INDES Graz" ist.